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Borneo

Last night an iPhone saved my life

6/8/2015

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Bako National Park, Borneo (Malaysia)
Hey, wer hat das Licht ausgemacht?! Anscheinend ist es schnell spät geworden und offensichtlich ist es hier im Dschungel noch schneller dunkel geworden. Bis zum Camp ist es noch gut eine Stunde. Taschenlampen haben wir keine dabei (blöd). Zum Glück kann mein iPhone eine Taschenlampe imitieren. Mit magerer Lichtausbeute und Fledermäusen, die immer ganz knapp an meinem Kopf vorbei flitzen, laufen wir durch das Dickicht in dem Insekten und Frösche Geräusche machen, wie Millionen Wecker, Sägen und Türsummer. Aber von vorne...
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Um 7:00 Uhr treffe ich Nathalie aus Frankreich in der Hotellobby. Wir haben uns gestern am Fluss  kennengelernt und beschlossen, die nächsten zwei Tage gemeinsam in den Bako Nationalpark zu fahren. Das spart Kosten und ist lustiger. Für die erste Stunde des Ausflugs, haben wir uns ein Taxi gegönnt, dessen Fahrer sein Fahrzeug für ein Callcenter hält. Sein Handy klingelt andauernd, was ihn mächtig von seinen Verhandlungen am Funkgerät abhält. Entweder spricht er mit Minions, oder ist die Verbindung so schlecht, dass er immer alles wiederholen muss. Es klingt ungefähr so: "Ha? Asusakan asusakan? Wata makma da, wata makma da? Ahhh, ahhh, okee, okee." Auflegegt. Jetzt Funk: "Tulla, tulla! Ahhh, ahhh, watarun jakata, jakata, tank yu, tank yu." Zwischendurch muss er immer wieder was auf seine zwei Notizblöcke schreiben. Einmal telefoniert und funkt er gleichzeitig. Als er dann etwas notieren will merkt er selber, dass das kaum geht. Er macht es trotzdem, erschrickt aber, als er uns im Rückspiegel entdeckt. Das hatte er wohl ganz vergessen. Fahrgäste. An einer Kreuzung bremst ein Mopedfahrer vor uns, wegen der roten Ampel. Der Taxifahrer, schlingert sehr knapp zwischen mehreren Zweiradfahrern hindurch, über die rote Ampel. Ins Telefon schreit er dabei: "ohhhh sssit, sssit!" Dann schimpft er wütend über den rücksichtslosen Mopedfahrer. Die härteste Dschungelprüfung haben wir mit der Taxifahrt wohl hinter uns und die anschließende Langbootfahrt in den Urwald ist dagegen, trotz der  Krokodile im Fluss, geradezu tiefenentspannt.
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Die wilden Tiere, vor denen gewarnt wird, beschränken sich zunächst auf Vögel und Ameisen. Die Ameisen, die uns über den Weg laufen, tun das in Form eines breiten Ameisen Highways. Die Tierchen strömen  so gleichförmig und organisiert über Wurzeln, Äste und an Stämmen entlang, dass ich unwillkürlich an Singapur denken muss. Was ich nicht herausfinden kann ist, warum die Ameisen alle in die gleiche Richtung laufen. Die müssten doch auch irgendwann mal umkehren. Oder pendeln die morgens hin und abends zurück? Als wir nach Stunden an der gleichen Ameisenstraße vorbeikommen, laufen immer noch alle in die gleiche Richtung. 

Weil man den Strom der Ameisen so schlecht fotografieren kann, mache ich ein kurzes Video: 
Schon auf dem erstem Dschungeltrek verlaufen wir uns ein bisschen und steigen aus Versehen auf den höchsten Berg in der Umgebung. Die Aussicht ist ausgesprochen fein, kostet aber unnötig viel Schweiß.
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Am Abend wollen wir noch eine kurzen Trek zu einem Strand machen, an dem man abends oft die seltenen Proboscis Affen sehen kann. Allerdings laufen uns die seltenen Primaten schon über den Weg, bevor wir so richtig losgelaufen sind. Das Beobachten und Fotografieren dauert ganz schön. Es ist viel zu spät, als wir endlich loslaufen. Die Route ist unwegsam und immer wieder steil. Zusätzlich halten uns die interessanten Einsiedlerkrebse auf, die überall rumkullern. Als wir am Strand sind, merken wir, dass es anfängt dunkel zu werden. Und dass das sehr schnell geht, merken wir ein paar Minuten später im schwarzen Dickicht. Jetzt bloß nicht die einzige Lichtquelle fallenlassen...
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Wir kommen so spät im Camp an, dass wir gleich nahtlos beim Nightwalk mit Guide weitermachen können. Jetzt, mit richtigen Taschenlampen sehen wir auch die ganzen Tiere, vor denen man sich in Acht nehmen muss. Eine grüne Viper liegt auf einem Buschast und schaut giftig. Eine Tarantel wartet vor ihrem Loch auf Beute. Giftfrösche und die besonders giftigen, handgroße Krabbeltiere mit den verstörend langen Beinen lauern hängend unter den Blättern. Bei den leuchtenden Pilzen und Flechten besteht dagegen keine Gefahr, die sehen einfach nur merkwürdig aus, wie sie so im Dunklen am Boden und an Baumstämmen rumfloureszieren.
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Am nächsten Tag machen wir eine Marsch, hoch zu den Klippen. Auf dem Weg sehen wir eine ganze Hochfläche voll mit fleischfressenden Orchideen. Wenn die ein paar mehr Moskitos schlucken könnten, wäre ich sehr dankbar. Meine Unterarme sehen inzwischen aus, wie die von Popeye...
Es ist Jahrhundertebbe und von den Booten, die uns zurück in die Zivilisation bringen sollen, sind einige auf Grund gelaufen, was die Abfahrt ungemein verzögert. Der Anlegesteg ist ganz ohne Wasser drumherum nicht zu gebrauchen und deshalb müssen wir weit ins Meer waten, um die Boote zu erreichen. Schwimmen ist an dieser Stelle des Südchinesischen Meeres, wegen der Nähe zur Flussmündung und den Krokodilen übrigens verboten. In Kuching gibt es ein Museum mit menschlichen Überbleibseln, die man in Krokodilmägen gefunden hat. Haarbüschel, Zähne, eine Armbanduhr...
Einige Touristen freuen sich, dass sie ihre Hosen hoch genug gekrempelt haben und beim Entern fast gar nicht nass geworden sind. Nach der ersten Minute Fahrt über die raue See, sind jedoch alle gleich nass. 
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Zurück in Kuching, verabschiede ich mich von Nathalie und finde spät abends ein kleines feines  indisches Restaurant. Ich bin der letzte Gast. Das Butter Chicken schmeckt vorzüglich. Der Besitzer fragt mich nach meiner Herkunft und fragt gleich weiter: "How's Angela? I heard she has some trouble with Greece." Aus dem Smalltalk wird schnell ein interessantes Gespräch. Es geht um Europa, um Flüchtlinge und um den Krieg, der vor 70 Jahren endete. Ich erzähle, das ich genau heute vor fünf Jahren in Hiroshima war und mir an der Flamme des Friedens drei alte Herren erzählt haben, wie sie am 6. August 1945 den Atombombenabwurf über ihrer Stadt erlebt haben. Ich bekomme noch ein Kulfi (eine süße Nachspeise) spendiert und dann schlendere ich ins Hotel zurück.
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