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Iran

Zwei Tage, kein Bett

23/5/2015

5 Kommentare

 
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Ulm - Istanbul - Teheran
Es ist Samstagmorgen und ich weiß, dass ich das nächste Bett erst Sonntagabend sehen werde. Deshalb hatte ich mir vorgenommen die letzte Nacht richtig lange zu schlafen. Das hat nicht so gut geklappt. Als Ausgleich lasse ich mir beim Frühstück gemütlich Zeit und genieße das letzte gute Müsli in Ruhe, während vor dem Küchenfenster die Sonne aufgeht. Herrlich. Alles ist gepackt, die Pflanzen sind versorgt, ich kann also ganz entspannt sein. Erst als ich auf halbem Weg zum Bahnhof merke, dass ich verdammt nochmal viel zu entspannt bin und mein Zug in unschaffbaren 4 Minuten abfährt, wird der Morgen hektisch. Ich renne mit fliegendem Koffer, zappelndem Rucksack und rotierendem Fressbeutel wie irre quer durch die Stadt. Normalerweise wäre es nur blöd den Zug zu verpassen, weil dann mein Ticket nicht mehr für den nächsten Zug gelten würde. Heute ist die Sache viel prekärer: Die Bahnstrecke ist wegen Bauarbeiten gesperrt und die alternativen Verbindungen sind zeitaufwändig mit häufigem Umsteigen, auch mit Busfahrten und überhaupt etwas labil, einen Tag nach dem beendeten Lokführerstreik. Zu allem Übel habe ich vorher gesehen, dass alle Verbindungen für die nächsten drei Stunden, bis auf meine, gecancelled wurden. Wenn das so stimmt und ich meinen Zug verpasse, wird es mehr als eng. Während des Rennens, muss ich also überlegen, ob ich es mit dem Auto noch rechtzeitig nach Frankfurt schaffen würde. Es ist Pfingsten und im Radio wurden die schrecklichsten Stauszenarien für dieses Wochenende entworfen. Ich überlege auch, ob es mich beim Rennen viel langsamer machen würde, wenn ich nebenher versuche auf dem Handy eine alternative Zugverbindung über Augsburg und von dort mit dem umgeleiteten ICE über Aalen, um die Baustelle herum heraussuche. Die Überlegungen werden überdeckt von den Gedanken, wie lange man eigentlich mit Koffer, Rucksack und Beutel am Stück rennen kann. Ich finde es heraus. Es sind exakt 4 Minuten. In der Unterführung zum Gleis, höre ich den Schaffnerpfiff, auf der Treppe das Piepsen der schließenden Türen und am Bahnsteig hechte ich in allerletzter Sekunde zur Tür herein, die noch für den einsteigenden Schaffner offen geblieben ist. Die nächsten 5 Minuten bin ich vollständig damit ausgelastet, nach Luft zu schnappen und mich wieder abzukühlen.
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Weil man jetzt neuerdings beim Online Check In für das Aussuchen von Fenster-, Gang- oder Notausgangplätzen kräftig bezahlen soll und sogar für das Reservieren eines Sitzes in der Mitte noch 8,- € fällig sind (Das sind die schlechtesten Plätze, warum sollte man so etwas reservieren? Stehplätze gibt es ja noch keine.), ist es das Vernünftigste, nicht mehr online Einzuchecken. Mein Plan geht auf und ich bekomme beim Offline Einchecken am Schalter ganz gratis einen Notausgangplatz mit viel Beinfreiheit. Das ist aber auch schon das Beste am ersten Flug bis Istanbul. Statt Bildschirmen oder Zeitschriftentaschen am Vordersitz, gibt es alarmgelbe Plastikschalen auf dem Vordersitz, auf die die Notfallanweisungen geklebt sind. Man hat während dem 3 Stunden-Flug kaum Chancen etwas anderes anzustarren als Piktogramme von Menschen, die aus brennenden Flugzeugen krabbeln, mit Schwimmwesten ins Meer springen, sich Sauerstoffmasken überziehen oder in Brace-Position auf den Aufschlag warten. Es ist der erste Flug, den ich erlebe, auf dem noch nicht einmal mehr Wasser gratis ausgeschenkt wird und sich die Rückenlehnen in keiner Reihe verstellen lassen. Der zweite Flug von Istanbul nach Teheran ist eigentlich genauso, nur ohne gelbe Plastikschalen mit Notfallaufklebern. Gemeinsam mit meinem iranischen Sitznachbarn freue ich mich über die herrlich neutralen grauen Vordersitze. 

In Teheran bekomme ich am Flughafen nach 20 Minuten, 60,- € und etwas Bürokratie ein Visum sowie ein freundliches "Welcome to Iran". Mein Koffer ist im falschen Terminal angekommen, aber das hält mich nicht auf. Ich wechsele bei einer abreisenden Seniorengruppe aus den Niederlanden gleich etwas Euro in Iranische Rial und handle den überschwänglich hilfsbereiten Taxifahrer, der sich nicht abschütteln lässt und mir schon durch zwei Terminals gefolgt ist, von 60,- € auf knapp 10,- € herunter. Verständlicherweise ist er auf Google nicht gut zu sprechen, denn ich halte ihm seit seinem "absolutly last price" von 30,- €, mein Taxipreis Rechercheergebnis unter die Nase: 8,- €. Die Taxifahrt ist gelinde gesagt äußerst flott, auch im dichtesten Verkehr. Bis zum Hotel habe ich mindestens drei Nahtoderfahrungen. 
Um 6:00 Uhr morgens ins Hotelbett gehen macht keinen Sinn, weshalb ich auch erst die nächste Nacht gebucht habe. Ich stelle also nur kurz meinen Koffer ab und beginne ein wenig spazieren zu gehen. Um14:00 Uhr darf ich einchecken. Es wird ein sehr langer Spaziergang. Mein Handy zählt heute 16,8 Kilometer Fußweg. Auch zu Fuß erscheint das Überleben im Straßenverkehr zunächst nur mäßig wahrscheinlich. Aber schon nach wenigen Straßenüberquerungen habe ich das Prinzip verstanden. Eine sechsspurige Straße ohne Ampel überquert man so: Nicht auf eine Lücke im Verkehr warten, die gibt es nicht. Einfach mittelschnell vom Straßenrand aus loslaufen. Autos, Busse und Motorräder werden nicht bremsen, aber um einen herumströmen ohne einen zu treffen. Das setzt hohes Vertrauen in die Fahrkünste der Teheraner voraus, es bleibt einem allerdings nicht viel anderes übrig. Um 15:00 Uhr falle ich ins Bett und schlafe mit kurzen Unterbrechungen bis 6:00 Uhr am nächsten Morgen. 
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Die Wände der ehemaligen amerikanischen Botschaft in Teheran verkünden eine unmissverständliche Botschaft. Was allerdings höchst missverständlich ist, sind die damit verbundenen Medienberichte. Die "Achse des Bösen" ist ein politisches und mediales Konstrukt, das wenig mit den Menschen im Iran zu tun hat. 
5 Kommentare
Michael Johnschwager link
13/6/2015 10:31:51

So etwas schaue ich mir gern an. Ein flüssiger Schreibstil, besonders die Titelzeilen wecken Interesse und tragen dazu bei, dass man am Text dranbleibt. Recht amüsant die Schilderung des vergeblichen Kupplungsversuchs.
Die Fotos sind bestechend schön, aber das ist das Verdienst des Iran und weniger des Fotografen.

Antwort
Johannes Claassen
13/6/2015 10:42:56

Vielen Dank Michael,
leider durfte ich beim "Kupplungsversuch" keine Fotos machen. "Sonst Kopf ab", wurde mir erklärt. Da habe ich natürlich Verständnis :-).

Antwort
Adrian Gloor link
7/8/2015 04:46:05

3 Punkte:
1. Bestechend schöner Iran hin oder her, meine Fotos sind im Vergleich schlicht unansehnlich. In diesem Sinne Hut ab vor diesen Bildern.
2. Richtig: Iran im Mietwagen ist die komfortabelste und effizienteste Art sich fort zu bewegen, insbesondere wenn man die Standardroute bereits hinter sich hat. Und ebenso richtig: bezüglich Reiserisiken trägt der Strassenverkehr praktisch die gesamte Last. Die Fahrzeuge von Europcar Iran (www.euopcar.ir) entsprechen europäischem Standard. Die Flotte wird laufend angepasst. Ich hatte noch nie ein schadhaftes Fahrzeug erhalten und habe inzwischen alle Kategorien mehrfach durch. Die Mittelklasse ist nicht ganz billig (ganz zu schweigen von der Oberklasse), aber es lohnt sich etwas über die im Iran produzierten Renaults hinaus zu investieren. Diese Fahrzeuge bieten einen deutlich reduzierten Sicherheitsstandard bezüglich Insassenschutz. Der Verkehr im Iran ist nur auf den ersten Blick chaotisch. Auch Tehran ist mit einem GPS auf dem Handy (Sygic Iran) problemlos machbar. Die Iraner lieben ihre Autos über alles, fahren entsprechend vorsichtig und der ex-präsidentielle Verkehrsingenieur hat in seinen 10 Jahren Amtszeit deutliche wie auch nachhaltige Spuren im Land hinterlassen. In Sachen Unfallstatistik hat der Iran inzwischen die Weltführungsrolle abgetreten. Ich geniesse das bei uns abhanden gekommene Prinzip des Miteinanders jedes Mal ausgiebig. Vollkaskoschutz ist kein Muss aber Pflicht! Als Fahrer übernimmt man auch im Iranischen Verkehr Verantwortung. 'Es wird schon gut gehen' zählt nicht. Ich rate jedem der im Iran selber fährt eindringlich etwas Farsi zu lernen und sich auch über die Gesetzgebung zu informieren. Im guten Fall trägt der Touristenbonus, im schlechten Fall kann dieser aber auch ein a priori Verschulden implizieren - die in unseren Breitengraden standardisierte Abwicklung von Unfällen mit Personenschäden greift nicht. Daher: elektronische Kopien aller Dokumente bei der Botschaft hinterlegen und dann raus aufs Land, aber Vorsicht mit dem Gaspedal auf den wichtigeren Hauptstrassen - es wird geblitzt resp. lasergescannt was das Zeugs hält.
3. Der Iran kann für den Reisefreak durchaus gefährlich werden - denn: einmal Iran, immer Iran.

Antwort
Adrian Gloor link
7/8/2015 12:14:30

Entschuldigt den Nachtrag, aber nachdem ich nun alles gelesen habe und in Anbetracht, dass der Text Reiseinteressierten als Informationsquelle dienen könnte, folgende Anmerkungen:

- Iran ist weit entfernt von einem Billigreiseland, auch wenn man pro Tag mit 30Euro sehr gut durchkommen mag. Und einem Taxifahrer einen Googlevergleichsdienst unter die Nase halten? Oh Schreck - dann lieber in Deutschland bleiben.
- LP ist auch für den Iran keine gute Quelle, ausser man will Europäer oder Asiaten kennen lernen.
- Ohne Stress sich ein Visum VOR der Abreise besorgen, aus den 20min. am Flughafen können locker 180min. werden, insbesondere ganz wichtig wenn man länger als die 15 Tagen bleiben will. Ausser man will sich - ohne Frage, das hat auch seinen Reiz - während 3 Tagen den Arbeitsabläufen in einer Ustanderi annehmen.
- Die beschriebene Standardroute ist fraglos ein Muss, man darf sie aber auch auf einen Folgebesuch legen. Abseits dieser Route ist die Erfahrungsdichte deutlich höher. Für einen Erstbesuch reichen 2 Wochen kaum.
- Relaxed reist man im Iran in Nachtzügen und nicht in Bussen. Die Kraftfahrerzunft ist äussert Opium-affin.
- keine Bussen per Bank-EZ bezahlen, einfach die Zettel nach dem Trip an Euopcar abgeben
- und nicht grad nach der ersten Reise das Tagebuch veröffentlichen. Lieber abwarten und ein paarmal hinfahren. Die Sichtweise ändert sich markant.

Antwort
Johannes Claassen
9/8/2015 21:34:44

Lieber Adrian,
vielen Dank für deine bereichernden Ausführungen, du scheinst ja ein echter Iran Experte zu sein.
Welchen Reiseführer würdest du denn alternativ zum Lonely Planet empfehlen?
In einem Punkt bin ich anderer Meinung als du: Ich finde ein Reisetagebuch darf man ruhig während seiner ersten Reise in ein bestimmtes Land veröffentlichen. Es heißt ja gerade Tagebuch und nicht Reiseführer. Es soll vor allem unterhalten und einen persönlichen Eindruck vom Erlebten vermitteln.
Viele Grüße aus Borneo

Antwort



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